Soul Sound

Träumereien


Als Kind wollte ich einen Beruf ausüben, mit dem man was bewirkt. Und Geld verdient. Ich wollte nie Youtube-Star werden, Influencer, Sänger oder Schauspieler. Ich wollte einen richtigen Job mit richtiger Verantwortung und dass meine Lebenszeit nicht nur dafür genutzt wird, Geld zu verdienen, sondern mit dieser Arbeit auch etwas bewirkt wird.

Nachdem ich mit meinem ersten Berufsziel im Studium gescheitert bin, haben sich diese Ideale zumindest reduziert, wenn sie auch nicht ganz abgebaut wurden. In meiner Ausbildung kam ich häufiger mal frustriert heim. Ich hatte das Gefühl, ich schaffe nichts Wertvolles, nichts, was die Welt weiterbringt, ich sitze vor einem riesigen Berg Akten und helfe meinen Chef, Geld zu scheffeln. Natürlich sind Patente zum Teil wichtig, neue Medikamente zum Beispiel, die ohne den Patentschutz aufgrund der hohen Entwicklungskosten nicht entwickelt werden würden. Aber man meldet ja nicht jeden Tag ein Patent an… Doch der Gedanke, wie nützlich Patente im medizinischen Bereich sein können, hat mich weiter in diese Richtung denken und ein Studium durchziehen lassen.

Nun stelle ich aber wieder fest, ich bewege nichts, ich schaffe nichts und ich verdiene nicht mal viel Geld. Und es frustriert mich zunehmend. Also frage ich mich immer häufiger, was ich eigentlich möchte. Was würde mich glücklich machen? Und ich überlege mir die abstrusesten Dinge:

Mein Traum Nummer 1 wäre, einen Welpentreff zu eröffnen. Von dem Geld kann man wahrscheinlich nicht leben, aber wie niedlich wäre es bitte, wenn überall kleine Babyhunde herumtapsen? Mein Freund sagt, ich könne das gerne machen, sowie wir ein Haus haben. Also hake ich das noch nicht ab.

Mein Traum Nummer 2 – und da kommen wir schon eher in die Richtung Youtube-Star – wäre es, ein Buch zu schreiben. Ich weiß nicht, worüber (ziemlich sicher wird es kein Sachbuch) und wahrscheinlich würde einfach jeder Verlag mein Skript ablehnen, aber schon seit der Grundschule habe ich immer wieder diesen Drang. Eine gute Freundin hat mal gesagt, wenn ich eine Situation schildere, dann habe man das Gefühl, dabei gewesen zu sein. Sie könne sich alles so vorstellen, als sei sie in dem Moment mitten drin. Das ist doch ein guter Ansatz! Ich bringe andere Menschen gerne zum Lachen und zum Nachdenken (damit kann man nämlich was bewegen, Stichwort Inception) und ich hatte als Teenager auch mal den Wortschatz, um mich differenziert auszudrücken. Heute traue ich mir das aber nicht mehr zu.

Jeder Autor träumt doch heute von einem Meisterwerk wie Harry Potter. Eine fiktive Welt zu erschaffen, in der so viele Menschen abtauchen können, mit der sich so viele Menschen identifizieren und nach der eine Sehnsucht herrschte, die nur J. K. Rowling erkannt hat. Aber mein Gehirn ist nicht mehr so frei wie früher, meine Gedanken verlaufen in geregelten Bahnen, die Abfahrt „Kreativität“ ist wahrscheinlich stark baufällig und die Abzweigung „Wortschatz“ führt in eine Sackgasse. Ich müsste viel mehr lesen, die Wörter wieder aufsaugen und den Geist befreien. Aber ich kerkere ihn nur noch mehr mit meinem Studium neben der Arbeit ein, indem ich ihn zwinge, sich mit Dingen zu beschäftigen, die ich nie in meinem Leben brauchen werde, um einen Titel zu erlangen, den ich für eine Karriere in einem Job benötige, den ich gar nicht machen möchte. Nur ist dieser Job ist sicher. Und das Studium teuer. Um jetzt alles hinzuschmeißen, bin ich zu sehr Realistin: Für meine Träume werde ich frühestens in drei Jahren Zeit haben, wenn das letzte Rinnsal Kreativität endgültig in der Dürre meines Gehirns vertrocknet ist.
11.10.17 13:53


Keine halben Sachen


Ich kann keine halben Sachen machen. Auf der Arbeit möchte ich mich voll auf die Arbeit konzentrieren und wenn ich ein Fernstudium beginne, will ich es auch gut bis sehr gut abschließen. Aber ich bin nun mal keine Maschine. Seitdem ich den Master im Fernstudium begonnen habe, parallel zu meiner 40-Stunden-Woche, mache ich nichts anderes mehr. Und sollte ich es doch mal schaffen, eine Stunde Freizeit abzuzwacken, kommt gleich das schlechte Gewissen angeflogen.

Ich kann keine halben Sachen machen. Ich wollte diesen Hund unbedingt haben. Ich hatte phantastische Pläne. Und nun liegt er den halben Tag rum und wartet, dass ich von der Arbeit komme und die andere Hälfte des Tages wartet er, dass ich mit dem Lernen fertig werde.
Man braucht nicht besonders gut in Mathe zu sein, um zu merken, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Wenn man mit drei Dingen gleichzeitig jongliert, aber keine halben Sachen machen will, bleiben einem kaum Alternativen. Man arbeitet die Aufträge auf der Arbeit in Akkordzeit ab, damit man die gewonnene Zeit zum Lernen nutzen kann. Und die so Zuhause eingesparte Zeit wird genutzt, um den Hund zu bespaßen. Aber am Ende schläft man doch nur erschöpft auf der Couch ein, der Hund an einen gekuschelt, das Lernheft in der Hand.

Ich hätte gerne wieder ein selbstbestimmtes Leben. So eines, wo die Tage sich nicht nur um die Arbeit und das Studium drehen und man sonst nur seine Pflichten abarbeitet. Ich möchte Nachhause kommen und einen freien Kopf haben, für all die Dinge, die mich glücklich machen. Denn mein Hund macht mich glücklich, er ist keine Pflichterfüllung. Ich habe das Fernstudium unterschätzt. Man kann es neben der Arbeit schaffen, aber dann hat man halt kein Leben mehr. Die Frage ist, ob es das wert ist.
28.8.17 14:55


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