Soul Sound

Keine halben Sachen


Ich kann keine halben Sachen machen. Auf der Arbeit möchte ich mich voll auf die Arbeit konzentrieren und wenn ich ein Fernstudium beginne, will ich es auch gut bis sehr gut abschließen. Aber ich bin nun mal keine Maschine. Seitdem ich den Master im Fernstudium begonnen habe, parallel zu meiner 40-Stunden-Woche, mache ich nichts anderes mehr. Und sollte ich es doch mal schaffen, eine Stunde Freizeit abzuzwacken, kommt gleich das schlechte Gewissen angeflogen.

Ich kann keine halben Sachen machen. Ich wollte diesen Hund unbedingt haben. Ich hatte phantastische Pläne. Und nun liegt er den halben Tag rum und wartet, dass ich von der Arbeit komme und die andere Hälfte des Tages wartet er, dass ich mit dem Lernen fertig werde.
Man braucht nicht besonders gut in Mathe zu sein, um zu merken, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Wenn man mit drei Dingen gleichzeitig jongliert, aber keine halben Sachen machen will, bleiben einem kaum Alternativen. Man arbeitet die Aufträge auf der Arbeit in Akkordzeit ab, damit man die gewonnene Zeit zum Lernen nutzen kann. Und die so Zuhause eingesparte Zeit wird genutzt, um den Hund zu bespaßen. Aber am Ende schläft man doch nur erschöpft auf der Couch ein, der Hund an einen gekuschelt, das Lernheft in der Hand.

Ich hätte gerne wieder ein selbstbestimmtes Leben. So eines, wo die Tage sich nicht nur um die Arbeit und das Studium drehen und man sonst nur seine Pflichten abarbeitet. Ich möchte Nachhause kommen und einen freien Kopf haben, für all die Dinge, die mich glücklich machen. Denn mein Hund macht mich glücklich, er ist keine Pflichterfüllung. Ich habe das Fernstudium unterschätzt. Man kann es neben der Arbeit schaffen, aber dann hat man halt kein Leben mehr. Die Frage ist, ob es das wert ist.
28.8.17 14:55


Quo vadis?


Manchmal lernt man die wirklich wichtigen Dinge erst, wenn man den Fehler bereits gemacht hat und es zu spät ist, um etwas zu korrigieren. Nicht umsonst stellen sich Menschen die Frage, was sie anders machen würden, wenn sie ihr Leben nochmal leben würden. Ich fange immer an, über diese Frage nachzudenken und meine, schnell Situationen und Entscheidungen identifizieren zu können, die ich sofort ändern würde. Aber wenn ich dann länger darüber nachdenke, hat diese oder jene Entscheidung zu einer anderen Situation geführt, aus der etwas tolles entstanden ist.

Ich bin jetzt Ende 20, ich denke, dass gut 1/3 meines Lebens bereits hinter mir liegt. Vielleicht sieht es in ein paar Jahren anders aus, aber gerade bin ich zufrieden, wie sich alles entwickelt hat. Ich habe alles, was ich immer wollte und das ist das Ergebnis meiner bisherigen Entscheidungen. Ich vermisse manches oder manche, natürlich habe ich Fehler gemacht und ich hoffe, niemanden auf der ewigen Suche nach mir selbst auf eine Weise verletzt zu haben, dass er/sie seinen/ihren Weg dadurch verloren hat.

Wenn mir nun ein tolles Angebot gemacht wird, das ich nur schwer ablehnen kann, es aber mein jetziges Leben extrem verändern würde, wie soll ich mich entscheiden? Werde ich bereuen, es abgelehnt zu haben? Oder werde ich durch das ewige menschliche Streben nach mehr eine tolle Chance wahrnehmen, aber alles andere verlieren?

Seitdem ihr in meinem Leben seid, haben sich meine Prioritäten verschoben. Ich würde jede noch so tolle Chance ausschlagen, wenn sie unsere Familie gefährden könnte. Ohne euch könnte ich niemals glücklich werden, auch wenn ich sonst alles hätte. Früher wollte ich eine Karriere. Jetzt möchte ich nur Zeit mit euch. Die eine Sache, die mir niemand verschaffen kann, ist mehr Zeit. Denn ein Leben ist so schnell vorbei und dann fragt man sich, was man hätte anders machen können. Vor fast genau zwei Jahren habe ich versprochen, dass ich dich niemals verlassen werde. Auch wenn du vermutlich kein Wort verstanden hast, ich werde dieses Versprechen nicht brechen. Und ich weiß, du wirst es mich nie bereuen lassen.
13.7.17 21:31


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